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Jahrgänge + Jahrgangsbewertung

JAHRGANG 2002

Offizielle Beurteilung des Jahrgangs: "GUT".

Menge des zugelassenen Weins: 195,23 Millionen Liter.

- Rotwein: 175,38 Millionen Liter.
- Weißwein: 11,40 Millionen Liter.
- Rosé: 8,45 Millionen Liter.

Die 55.545 Hektar ertragsfähigen Weinberge der Qualifizierten Herkunftsbezeichnung Rioja haben im Jahr 2002 eine Ernte von 284,2 Millionen Kilogramm Trauben hervorgebracht, 22,6 % weniger als im Vorjahr. Aus diesen Trauben wurden insgesamt 203,17 Liter Wein erzeugt, von denen nach Abschluss des Qualifizierungsprozesses 193,23 Millionen Liter die Bezeichnung Denominación de Origen Calificada Rioja tragen dürfen. Das Erntevolumen entspricht einem durchschnittlichen Ertrag von 5.118 kg pro Hektar, das ist der niedrigste Wert der vergangenen 10 Ernten und bedeutet einen Rückgang um 24,43 % im Vergleich zum Vorjahr. Diese Daten bestätigen die Prognosen, die Anfang September vom Technischen Dienst des Kontrollrats aufgestellt wurden. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein bedeutender Rückgang der erzeugten Traubenmenge im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert und es wurde darauf hingewiesen, dass Prognosen in einem solchen Jahr, in dem sich die Weinberge auf Grund der klimatischen Unregelmäßigkeiten im Laufe des Vegetationszyklus sehr unterschiedlich präsentieren, sehr schwierig wären. Wichtige Aspekte waren hier klimatische Faktoren wie die Trockenheit und die niedrigen Temperaturen, die ein ungleichmäßiges Keimen und einen entsprechend ungleichmäßigen Fruchtansatz zur Folge hatten, wobei sich die Situation in den verschiedenen Lagen und bei den verschiedenen Rebsorten sehr unterschiedlich darstellte.

Es ist anzunehmen, dass die niedrigen Temperaturen des Monats Dezember 2001 von bis zu 15 Grad unter Null Auswirkungen auf die Physiologie der Pflanzen hatten und die Ursache für die Störungen waren, die während des Keimens und auch später im Vegetationszyklus zu beobachten waren. Ebenso summierte sich die Trockenheit des vergangenen Herbstes und Winters noch zu der Trockenheit, unter der die Weinstöcke bereits während des gesamten vorangegangenen Jahrs gelitten hatten, was dazu führte, dass die Wasserreserven der Pflanzen angegriffen wurden. Das Zusammenwirken dieser Faktoren bewirkte ein schwaches und ungleichmäßiges Ausschlagen der Weinstöcke, vor allem bei der Sorte Tempranillo. Dies wiederum führte zu einer geringeren Traubenmenge mit Traubenbeeren von geringerer Größe; vor allem war dies bei Weinbergen der Fall, die in Trockenkultur bewirtschaftet werden. Eine Ausnahme stellte hier die Sorte Garnacha dar, die gute Erträge brachte; dies ist vermutlich auf die größere Widerstandsfähigkeit dieser Sorte gegen widrige Bedingungen zurückzuführen. Zu diesen Widrigkeiten kamen noch die Fröste vom 5. und 16. April, die einen Teil des Herkunftsgebiets betrafen und teilweise, je nach dem zu diesem Zeitpunkt erreichten Vegetationsgrad, schwere Schäden anrichteten. Obwohl die von den Frösten betroffenen Weinberge den Vegetationsrückstand nach den Regenfällen im Frühjahr und am Anfang des Sommers aufholen konnten, blieben die Produktionsmengen im Allgemeinen bescheiden. Der letzte Faktor, der zur Abnahme der geernteten Menge führte, war der schwache und ungleichmäßige Fruchtansatz sowohl bei der Sorte Garnacha, bei der dies üblich ist, als auch bei der Sorte Tempranillo, bei der dieses Problem normalerweise nicht auftritt. In Bezug auf den Gesundheitszustand der Weinberge ist anzumerken, dass dieser bei allen Sorten über den gesamten Wachstumszyklus hinweg gut war. Dies ist ein bedeutender Aspekt für die schließlich erreichte Traubenqualität. Auch die Sommermonate mit ihren ungewöhnlichen klimatischen Bedingungen stellten einen weiteren Unsicherheitsfaktor im Verlauf des Vegetationszyklus dar. Vor allem in den Untergebieten Rioja Alta und Rioja Alavesa waren die Niederschlagsmengen höher als üblich, was eine Verbesserung der Wachstumssituation in den Weinbergen und damit mehr Optimismus in Bezug auf die zu erwartende Produktion bedeutete. Gleichzeitig nahmen die Beeren jedoch auch sehr stark an Größe zu; dadurch platzten manche Beeren auf, was zu vereinzelt auftretendem Botrytisbefall führte.

Die Ernte begann pünktlich am 4. September 2002 in einem Weinberg in Aldeanueva de Ebro - Alfaro. Hier ergaben sich ähnliche Erträge wie im Vorjahr und das Wetter war im Allgemeinen gut, wodurch der Reifeprozess in adäquater Weise, wenn auch ungleich, ablaufen konnte. Dies war der Grund für die stufenweise vorgenommenen Erntearbeiten, die sich über zwei Monate hinauszogen und schließlich am 30. Oktober in der Ortschaft Villalba in der Rioja Alta zu Ende gingen. Während die Erntearbeiten in allen drei Unterzonen voranschritten, begünstigten die gelegentlichen Regenfälle das Auftreten von Botrytisherden. Diese trockneten zwar aus und die Trauben wiesen bei ihrer Anlieferung in die Kellereien einen akzeptablen Gesundheitszustand auf, die Erträge wurden jedoch durch das Austrocknen der Beeren immer niedriger. Das bedeutet, dass manche Ortschaften wie Aldeanueva oder Calahorra zwar ähnliche Erträge wie im Vorjahr einbringen konnten, andere jedoch Schwankungen um mehr als die Hälfte hinnehmen mussten, wie dies zum Beispiel in Uruñuela und San Asensio der Fall war, wo die Ernte um 60 % niedriger ausfiel als im Jahr 2001; in Cenicero lagen die Ernteeinbußen gegenüber dem Vorjahr bei 51 %, in Alcanadre bei 48 % und in Labastida bei 34%.

Wie zu erwarten war, gab es nach einem so atypischen Vegetationsjahr mit solch unterschiedlichen Traubenqualitäten auch Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung der Moste im Verlauf der Gärung. Hier war nun das ganze technologische Wissen der Bodegas gefragt, ebenso wie die Erfahrung und das Wissen der riojanischen Önologen. Die Vollversammlung des Kontrollrats der Qualifizierten Herkunftsbezeichnung Rioja (D.O.Ca. Rioja) beschloss, den Jahrgang 2002 als "GUT" zu beurteilen. Es handelt sich hierbei um das Resultat des analytischen und organoleptischen Beurteilungsprozesses, dem sich alle Rioja-Weine unterziehen mussten, um den Namen der Qualifizierten Herkunftsbezeichnung Rioja tragen zu dürfen. Diese allgemeine Beurteilung bestätigt die Kommentare, die der Kontrollrat selbst nach der letzten Weinernte über die heterogene Traubenqualität des Jahres 2002 geäußert hatte. Auch die Fachleute des Weinsektors hatten sich nach der Weinbereitung über das Ausbaupotential der erhaltenen Weine in diesem Sinne ausgesprochen. Die diesbezügliche Unsicherheit äußerte sich schließlich im Erhalt von ausgezeichneten Weinen mit guter Struktur und hohem Alterungspotential, d. h. mit einer Qualität, die durchaus mit der des Jahrgangs 2001 verglichen werden kann, während ein bedeutender anderer Teil der Ernte deutlich unter diesem Qualitätsniveau zurückblieb.